Laut The Decoder hat Anthropics KI-Modell Claude ein Rätsel der Kryptografie gelöst, das 25 Jahre offen war. Es ging um die Seeds der NIST-Standardkurven für digitale Signaturen. Die NSA hatte sie einst ohne Erklärung bereitgestellt.
Worum es bei den Seeds ging
Digitale Signaturen beruhen oft auf elliptischen Kurven. Das sind mathematische Strukturen, deren Parameter fest vorgegeben sein müssen, damit alle Beteiligten dieselben Regeln nutzen. Ein Seed ist ein Startwert. Aus ihm sollen sich die Parameter einer Kurve nachvollziehbar ableiten lassen, damit sie nicht gezielt für einen bestimmten Zweck gewählt wirken.
Bei den NIST-Standardkurven fehlte genau diese Erklärung. Niemand konnte sagen, woher die Startwerte kamen. Das nährte über lange Zeit den Verdacht, die NSA könnte Kurven mit eingebauter Schwäche, also einer Hintertür, ausgewählt haben. Beweisen ließ sich das nie, ausräumen aber auch nicht.
Das Ergebnis
Nach dem Bericht stammen die Seeds aus „lrand48“, einem simplen Zufallsgenerator der Programmiersprache C. Claude habe dafür weniger als 30 Minuten gebraucht. Damit werde der langjährige Verdacht auf Hintertüren entkräftet.
Die Herkunft aus einem einfachen, weit verbreiteten Generator ist eine banale Erklärung. Sie passt nicht zu der Annahme, dass die Werte mit großem Aufwand für einen versteckten Zweck gebaut wurden.
Was Leser mitnehmen können
Der Fall zeigt, wie sehr Vertrauen in Kryptografie von Nachvollziehbarkeit abhängt. Parameter ohne dokumentierte Herkunft wecken Misstrauen, selbst wenn sie harmlos sind. Zugleich zeigt er, dass KI-Modelle bei der Suche nach solchen Zusammenhängen helfen können.
Die Meldung nennt keine Details zum Vorgehen von Claude. Wer die Aussage selbst bewerten will, sollte auf nachprüfbare Unterlagen und die Einschätzung unabhängiger Fachleute achten.


