Anthropics KI-Modell Claude hat nach Angaben von The Decoder eigenständig Proteinbinder gegen tödliche Neurotoxine von Skorpionen entworfen. Im Labor zeigten sich erste vielversprechende Ergebnisse. Ob daraus ein Gegengift werden kann, ist aber noch nicht geklärt.

Vom Entwurf zum Labortest

Laut dem Bericht entstanden mehr als 318.000 Entwürfe. Nur 211 davon wurden tatsächlich im Labor getestet. Davon erfüllten 17 die vorab festgelegten Kriterien. Die zwei stärksten Kandidaten binden demnach extrem fest an das Toxin Cn2, das von einem mexikanischen Skorpion stammt.

Die Zahlen zeigen, wie solche Verfahren typischerweise funktionieren. Am Rechner lassen sich sehr viele Varianten erzeugen und vorsortieren. Das aufwendige Testen im Labor bleibt dagegen wenigen Kandidaten vorbehalten. Dass am Ende nur ein kleiner Teil die Kriterien erfüllt, ist deshalb zu erwarten.

Was ein Proteinbinder leisten soll

Ein Proteinbinder ist ein Eiweißmolekül, das gezielt an einen bestimmten Stoff andockt. Im Fall eines Gifts könnte ein solcher Binder das Toxin festhalten und so verhindern, dass es seine schädliche Wirkung im Körper entfaltet. Genau das macht die Technik für die Entwicklung von Gegengiften interessant. Herkömmliche Gegengifte beruhen oft auf Antikörpern, ein am Computer entworfener Binder wäre ein anderer Weg.

Was noch offen ist

Eine starke Bindung im Labor ist zunächst nur ein Teilergebnis. Laut The Decoder ist unklar, ob die Binder tatsächlich als Gegengift wirken. Dafür müsste sich zeigen, dass sie das Toxin auch unter realistischeren Bedingungen unschädlich machen. Bis dahin sollte man die Meldung als frühen Machbarkeitsnachweis lesen und nicht als fertige Behandlung.

Für Leser, die KI in der Forschung verfolgen, ist der Fall dennoch ein anschauliches Beispiel. Ein Sprachmodell kann in solchen Projekten offenbar den Entwurf von Molekülen übernehmen, die Prüfung bleibt jedoch Aufgabe von Experimenten im Labor.